Für Sie gelesen... EU zügelt IASB

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Für Sie gelesen... EU zügelt IASB "Standards für den Standardsetter"

sommerhoff_ms_0809_04_290x Michael SOMMERHOFF, Certified IFRS Consultant


Die USA üben erheblichen Einfluss bei der Entwicklung von IFRS-Standards aus, obwohl diese primär für Unternehmen in kontinentaleuropäischen Staaten maßgeblich und bedeutsam sind. Dies soll sich auf Betreiben der EU-Finanzminister ändern. Michael SOMMERHOFF hat die jüngsten Nachrichten und Entwicklungen in dem folgenden Artikel für Sie zusammengestellt:

Die EU-Finanzminister treiben die politische Kontrolle des International Accounting Standards Board voran. Zugleich wollen sie dessen Macht weiter beschneiden. Das geht aus dem Entwurf der Schlussfolgerungen für den in Brüssel stattfindenden EU-Finanzministerrat hervor.

Darin stellt der Rat Grundsätze auf, die bei der Reform der Leitung und der öffentlichen Rechenschaftspflicht des International Accounting Standards Board (IASB) einzuhalten sind. Der IASB erarbeitet die Bilanzstandards IFRS, die in den meisten Ländern der Welt angewandt werden. In der EU ist IFRS seit 2005 für alle börsennotierten Konzerne Pflicht. Das Gremium wird seit Jahren kritisiert, weil es nicht demokratisch legitimiert ist und kaum kontrolliert wird. Zudem berücksichtige es Firmeninteressen zu wenig und mache oft nicht klar, warum es bestimmte Standards entwickele und nach welchen Kriterien Mitglieder ernannt werden, bemängelt vor allem das EU-Parlament.

Ebenso wie die EU-Kommission stören sich die Abgeordneten seit Langem auch an der Zusammensetzung des IASB. Sie kämpfen daher für einen stärkeren kontinentaleuropäischen Einfluss. Bisher üben die USA bei der Erarbeitung der IFRS große Macht aus, obwohl sie mit den US-GAAP über eigene Standards verfügen. Die Finanzminister fordern nun ebenfalls eine angemessene Rolle von Mitgliedern aus der EU im IASB.

Dies ist auch in der Finanzkrise wichtig, in deren Verlauf die Zeitwertbilanzierung ("Fair Value") nach IFRS in den Mittelpunkt gerückt ist. Ein Großteil der Milliardenverluste von Banken und Versicherungen geht zurück auf die Pflicht, Abschreibungen auf die von ihnen gehaltenen illiquiden Wertpapiere vornehmen zu müssen. Die im Institute of International Finance (IIF) zusammengeschlossenen weltgrößten Banken fordern, die Fair-Value-Bilanzierung aufzuweichen.

Nach dem Willen der Finanzminister soll ein neues Kontrollgremium die Treuhänder ("Trustees") überwachen, die den IASB bereits heute beaufsichtigen. Die Treuhänder sind im International Accounting Standards Committee Foundation (IASCF) organisiert. Der neue "Überwachungsrat" soll sich aus den einschlägigen Behörden zusammensetzen, die in ihrem jeweiligen Land für die Annahme und Übernahme von Rechnungslegungsstandards zuständig sind.

Außerdem sollen dem Rat globale Gremien angehören, die die Finanzmarktstabilität sicherstellen - beispielsweise die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), das Financial Stability Forum (FSF) sowie die Finanzaufsichtsbehörden und Notenbanken. Die Minister wollen sicherstellen, dass die Ansichten der Aufseher und Regulierer in Fragen der Finanzmarktstabilität vom IASB bei der Festlegung der Bilanzstandards künftig gebührend berücksichtigt werden.

Der Überwachungsrat soll auch aktiv bei der Auswahl der Treuhänder mitwirken, das Arbeitsprogramm des IASB prüfen und dessen Finanzierung sicherstellen. Die Finanzminister fordern ferner, dass der IASB "die Transparenz und Legitimität seiner Verfahren zur Festlegung von Standards und seine Tagesordnungen verbessert", unter anderem durch systematische öffentliche Anhörungen. Zur Pflicht soll dabei eine Folgenabschätzung werden.

Schließlich wollen die Minister, dass "mögliche Änderungen der Amtszeit von IASB-Mitgliedern erwogen werden, darunter die etwaige Verkürzung der Amtszeit des Vorsitzenden". IASB-Chef David Tweedie war 2005 für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt worden. Die Treuhänder selbst arbeiten derzeit an einer Überarbeitung der IASB-Satzung, die bis Ende 2008 fertiggestellt sein soll.

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