"Geprüfte Bilanzbuchhalter" - neue Prüfungsordnung - Alles besser?

Der Standpunkt von Studienleiter Michael Sommerhoff, Steuerberater und Certified IFRS Accountant

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Unser Studienleiter Michael SOMMERHOFF -
Steuerberater & Certified IFRS Accountant
  Als Trainer und Mitglied verschiedener Bilanzbuchhalter-Prüfungsausschüsse war ich in den letzten 20 Jahren stets intensiv mit allen Aspekten der Prüfungsvorbereitung befasst und bin dies immer noch. Deshalb erlaube ich mir an dieser Stelle zunächst einige Anmerkungen zur Frage "Prüfung nach bisheriger oder neuer Verordnung?" und anschließend die Aussprache einer Empfehlung.

Nach lediglich 8 Jahren hat das BMBF (= Bundesministerium für Bildung und Forschung) die öffentlich-rechtliche und bundeseinheitliche Fortbildungsprüfung der "Geprüften Bilanzbuchhalter IHK" erneut umfassend überarbeitet und eine entsprechend novellierte Rechtsverordnung am 26.10.2015 verabschiedet; diese ist am 01.01.2016 in Kraft getreten. Gleichzeitig ist die "Vorgängerverordnung" vom 18.10.2007 mit Ablauf des 31.12.2015 außer Kraft getreten. Es gelten allerdings recht langfristige Übergangsregelungen, die Sie, sofern Sie sich mit dem Gedanken tragen, die "IHK-Bilanzbuchhalter-Prüfung" innerhalb der nächsten beiden Jahre zu absolvieren, vor die Wahl stellen, ob die (bundeseinheitliche) Prüfung nach bisheriger oder nach der Verordnung aus dem Oktober 2015 erfolgen soll. 

Soweit die Formalien... Und nun zu der Frage, welche substantiellen Änderungen die neue Verordnung mit sich bringt – und ob, so lange die Gelegenheit besteht, nicht doch einer Prüfung nach bisheriger Verordnung der Vorzug einzuräumen wäre. Zunächst die augenfälligen und wichtigsten Veränderungen, und danach möge ein synoptischer Vergleich beider Rechtsverordnungen als Entscheidungshilfe dienen:

Der schriftliche Prüfungsteil:
Der in allen Rechtsverordnungen, die in den letzten ca. 5 Jahren "in´s Werk gesetzt" wurden, erkennbare "Trend" zur Situationsaufgabe findet sich nun auch bei den Bilanzbuchhalter-Klausuren künftiger Prägung wieder. Die Inhalte, welche im Detail dem Rahmenstoffplan des DIHK (= Deutscher Industrie- und Handelskammertag) entnommen werden können, werden nicht mehr innerhalb fachspezifischer Klausuren, sondern "handlungsorientiert" und damit ganzheitlich mittels sogenannter "Situationsaufgaben" abgeprüft.

Beispielsweise werden nach neuer Verordnung keine separaten Klausuren zu den Fachgebieten "Kostenrechnung", "Finanzwirtschaftliches Management" oder "IFRS" mehr gestellt; diese "Disziplinen" werden vielmehr im Rahmen der nunmehr 3 je 240-minütigen "Situationsaufgaben" thematisiert. In der Folge entfällt auch die – bei Prüfung nach der VO 2007 möglichen – zeitliche Aufteilung der Klausuren auf zwei Prüfungszeiträume (z. B. Herbst 20x1 und Frühjahr 20x2); nach bisheriger VO kann der Prüfungsteil A (bestehend aus den beiden Klausuren "Kostenrechnung" und "Finanzwirtschaftliches Management") bekanntlich vorgezogen werden, um dann einige Monate später die vier Prüfungen des B-Teils zu absolvieren.

Auch sind mündliche Ergänzungsprüfungen bei Nichtbestehen schriftlicher Prüfungen nur nach VO 2007, nicht aber nach der neuen VO 2015 möglich. Zudem: Gelten z. B. zwei von vier schriftlichen Prüfungen des B-Teils gemäß VO 2007 als nicht bestanden und kommt daher eine mündliche Ergänzungsprüfung nicht in Betracht, müssen nur die beiden nicht bestandenen Prüfungen wiederholt werden. Alle anderen Prüfungsleistungen bleiben "erhalten".

Nach neuer VO 2015 gilt: Die Ergebnisse der drei schriftlichen Situationsaufgaben werden arithmetisch gemittelt; beträgt das Ergebnis danach nicht mindestens 50 Punkte, müssen alle drei je 4-stündigen Situationsaufgaben wiederholt werden – eine mündliche Ergänzungsprüfung kommt in keinem Falle in Betracht, wie bereits erwähnt.

Mit Blick auf den Inhalt der schriftlichen Prüfungen ist anzumerken, dass die Themen "Internationale Rechnungslegung nach den IFRS", "Konzernrechnungslegung" sowie "Internationales Steuerrecht" weiterhin Gegenstand der Klausuren und nicht etwa von der "Agenda" gestrichen worden sind. Welchen Umfang und welche Tiefenschärfe Aufgaben zu besagten Themen künftig haben werden, bleibt abzuwarten, denn noch liegen keine Referenzklausuren vor, die Prüflinge (und Bildungsträger) zur Orientierung und zielgerichteten Vorbereitung nutzen könnten. Rechtsverordnung und Rahmenstoffplan lassen erhebliche "Ermessensspielräume" zu und somit nur bedingt auf die tatsächlichen Anforderungen schließen.

Die obligatorische mündliche Prüfung:
Diese besteht auch nach neuer VO 2015 aus einer (maximal 15-minütigen) Präsentation und einem sich anschließenden Fachgespräch. Während aber nach VO 2007 der Prüfling aus zwei ihm gestellten Themen aus dem Handlungsbereich "Berichterstattung" wählen konnte, ist es gemäß VO 2015 so, dass der "Bilanzbuchhalter in spe" dem Prüfungsausschuss vorab (am Tage der 3. schriftlichen Prüfungsleistung) ein Thema einzureichen hat, das dem Handlungsbereich "Abschlüsse aufbereiten und auswerten" entstammen muss. Entsprechend höher sind damit natürlich auch die Anforderungen an die Präsentation vor dem Prüfungsausschuss, da der Prüfling diese ja nicht (wie nach VO 2007) binnen 30 Minuten vor Vortragsbeginn erstellen, sondern "in aller Ruhe" daheim anfertigen wird.

Beide Verordnungen sehen im Anschluss an die Präsentation jeweils ein Fachgespräch vor. Auch hier haben sich aber bedeutsame Änderungen "im Kleingedruckten" ergeben: Gemäß VO 2007 können nur
3 Handlungsbereiche Gegenstand des Fachgesprächs sein:

1. Berichterstattung
2. Jahresabschluss national (HGB & EStG)
3. Jahresabschluss international (IFRS)

Die 2015er VO hingegen ermöglicht Fragen zu allen (nunmehr) 7 Handlungsbereichen und lässt den Prüfungsausschüssen damit "freie Hand" in puncto Themenwahl. Das erworbene Wissen muss also voll umfänglich bis zum Tage der mündlichen Prüfung, die erfahrungsgemäß 8 – 10 Wochen nach den schriftlichen Klausuren anberaumt wird, "auf Sparflamme weiter geköchelt" werden.

Die mündliche Prüfung hat erheblichen Einfluss auf die Gesamtnote!
Anders als die VO 2007 sieht die VO 2015 den Ausweis einer Gesamtnote auf dem Zeugnis vor. Diese ergibt sich aus der Note für die 3 schriftlich zu absolvierenden Situationsaufgaben (für die also nur eine Durchschnittsnote auf der Urkunde vermerkt wird!) und dem Ergebnis für die mündliche Prüfung. Letztere hat also einen Anteil an der Gesamtnote von 50 %, obwohl der zeitliche Anteil der mündlichen an der Gesamtprüfung "verschwindend" gering ist (720 Minuten schriftliche Prüfung im Verhältnis zu maximal 45 Minuten, die auf die mündliche Prüfung entfallen). "Laufen" Präsentation und Fachgespräch also eher "bescheiden", hat dies ganz erheblichen Einfluss auf die Gesamtnote, die man sich folglich mit einer "schwachen" mündlichen Prüfung (trotz einer eventuell recht starken schriftlichen Leistung) verderben kann.

Zusatzqualifikation "Bilanzbuchhaltung International IHK"
Wie die VO 2007 sieht auch die neue VO 2015 (allerdings erst nach bestandener Prüfung) die Möglichkeit einer Zusatzqualifikation vor. Diese ist deutlich umfangreicher als nach VO 2007, denn die Zusatzqualifikation sieht nach neuer "Lesart" nicht mehr nur eine 120-minütige Klausur im Handlungsbereich "IFRS" vor, sondern den vollständigen Themenkomplex, der in Vorzeiten zum Gegenstand der eigenständigen Fortbildungsprüfung "Bilanzbuchhaltung International IHK" gemacht wurde.

Die Prüfung besteht aus zwei je 4-stündigen Situationsaufgaben, in denen u.a. folgende Themen "zur Sprache" kommen können:
1. Bilanzen nach internationalen Standards erstellen;
2. Die verschiedenen Methoden zur Ermittlung des Gesamtergebnisses anwenden;
3. Das Ergebnis je Aktie ermitteln;
4. Die Eigenkapitalveränderungsrechnung aufstellen;
5. Die Kapitalflussrechnung erstellen;
6. Den Anhang erstellen;
7. Den Lagebericht erstellen;
8. Berichtspflichtige Segmente identifizieren und den Segmentbericht erstellen;
9. im Rahmen der Konzernrechnungslegung notwendige Konsolidierungen durchführen und einen Konzernabschluss erstellen;
10. Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen im Außenhandel ermitteln und Finanzierungsarten auf internationalen Märkten auswählen und anwenden;
11. Methoden zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung im Ertragsteuerrecht unter Beachtung des Außensteuerrechts darstellen;
12. umsatzsteuerliche Vorschriften bei grenzüberschreitendem Waren- und Dienstleistungsverkehr beachten.

Fazit / Entscheidungsempfehlung
Wie der interessierte Leser sicherlich bemerkt hat, ändert die neue VO 2015 nichts an dem nach wie vor hohen Anspruchsniveau der IHK-Bilanzbuchhalter-Prüfung. Diese bleibt das "Flaggschiff" der IHK-Aufstiegsfortbildung und wird weiterhin die hohe Akzeptanz in der Wirtschaftspraxis genießen, derer sie sich bereits seit vielen Jahrzehnten erfreut.

Insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels, der sich in den nächsten Jahren (auch) im Rechnungswesen weiter verstärken wird, ist Ihre Entscheidung für diese praxisnahe Spezialausbildung, die aufgrund einschlägiger Erfahrungen des Autors und deshalb nach seiner festen Überzeugung Studienabschlüssen deutlich überlegen ist, eindeutig die richtige. Im Lichte der vorstehenden Ausführungen und dem nachstehend eingefügten synoptischen Vergleich zwischen beiden VO rate ich Ihnen aber zu einer Prüfung nach der VO 2007, so lange dies noch möglich ist.

Wir bei SOMMERHOFF haben uns dazu entschlossen, unsere Studiengänge im Jahre 2017 noch nach VO 2007 auszurichten. Dies hat nicht nur mit den aufgezeigten "Erschwernissen" zu tun, welche die VO 2015 mit sich bringen wird, sondern eben auch ganz erheblich mit der Tatsache, dass bislang keine Referenzklausuren nach VO 2015 vorliegen und weder Bildungsanbieter noch Prüfer Erfahrungen im Umgang mit dieser VO besitzen.

Im besten Interesse unserer Teilnehmer, die wir nicht als "Versuchskaninchen" einzusetzen gedenken, werden wir unsere am 25. März 2017 beginnenden berufsbegleitenden 12-monatigen Samstagsstudiengänge sowie den ab 12. Juni 2017 geplanten 10-wöchigen Tagesstudiengang noch gemäß VO 2007 ausrichten. Im Herbst 2017 folgt dann die notwendige Umstellung auf VO 2015,denn die letzte Erstprüfung nach VO 2007 wird von den zuständigen Stellen im Frühjahr 2018 abgenommen.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesem Beitrag ein wenig Orientierung sowie Unterstützung bei Ihrer anstehenden Entscheidung vermitteln konnte; im Falle von Fragen sind mein Team und ich gern für Sie da! Besuchen Sie unsere in den kommenden Monaten bundesweit stattfindenden Informationsveranstaltungen, rufen Sie uns an unter 0201 220 980 oder schreiben Sie an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. 

Herzlichst, Ihr

Michael Sommerhoff

Nachstehend nun der angekündigte synoptische Vergleich der beiden Rechtsverordnungen:

Die Rechtsverordnungen 2015 und 2007 im Vergleich
  VO 2015 VO 2007
Schriftliche Prüfung 3 Situationsaufgaben à 240 Min. Dauer

Teil A: 2 Klausuren

Teil B: 4 Klausuren

Teilprüfung im schriftlichen Bereich möglich nein ja
Gesamtdauer der schriftlichen Prüfung 720 Min. 840 Min.
Mündliche Ergänzungsprüfungen nein Ja (1x in A, 1x in B)
Bestehen der schriftlichen Prüfung Das arithmetische Mittel aus der Bewertung der 3 Situationsaufgaben muss mindestens 50 Punkte ergeben Jede der 6 Klausuren muss mit mindestens 50 Punkte abgeschlossen werden
Wiederholung der schriftlichen Prüfung Ist die aus 3 Aufgaben bestehende schriftliche Prüfung nicht bestanden, kann diese 2x wiederholt werden. Es müssen aber stets alle 3 Aufgaben wiederholt werden!!! Wurde je Prüfungsteil (A & B) mehr als eine Klausur schriftlich nicht bestanden, entfällt eine mündliche Ergänzungsprüfung und (nur!) die nicht bestandenen Klausuren müssen schriftlich wiederholt werden
Freiwillige Wiederholung einer bereits bestandenen Prüfung Nur im Falle der Wiederholung einer nicht bestandenen Prüfung kann die Wiederholung einer bestandenen Prüfung beantragt werden. Das letzte Ergebnis gilt. Vorsicht: Es können nicht einzelne der 3 Situationsaufgaben wiederholt werden – alle oder keine! Bestandene Prüfungsleistungen (zur Klarstellung: einzelne Klausuren, nicht lediglich der gesamte Prüfungsteil!) können auf Antrag 1x wiederholt werden. Das letzte Ergebnis gilt.
  VO 2015 VO 2007
Obligatorische mündliche Prüfung Ist vorgesehen; diese besteht aus Präsentation & Fachgespräch Ist vorgesehen; diese besteht aus Präsentation & Fachgespräch
Zulassung zur mündlichen Prüfung Nur nach bestandener schriftlicher Prüfung Nur nach bestandener schriftlicher Prüfung
Präsentationsthema der mündlichen Prüfung Stellt der Teilnehmer; das Thema muss aus dem HB (= Handlungsbereich) "Abschlüsse aufbereiten und auswerten" stammen Stellt der Prüfungsausschuss; der Teilnehmer kann aus 2 Themen wählen; das Thema stammt aus dem HB "Berichterstattung; Auswerten und Interpretieren des Zahlenwerkes für Managemententscheidungen"
Inhalt Fachgespräch Alle 7 HB können thematisiert werden Nur 3 HB können thematisiert werden (Berichterstattung, Abschlusserstellung national und international)

Transparenz von Stärken und Schwächen durch Ausweis von Noten auf dem Zeugnis

Es werden Punkte und Note für die schriftliche und mündliche Prüfung sowie die arithmetisch gemittelte Gesamtnote ausgewiesen. Kein Ausweis fachbezogener Ergebnisse! Ausweis von Punktzahlen und daraus resultierenden Noten je Klausur und damit fachbezogen, keine "Verschleierung". Stärken und Schwächen sind erkennbar. Keine Gesamtnote.
Gewichtung von schriftlicher & mündlicher Prüfung Aus dem Ergebnis von schriftlicher und mündlicher Prüfung wird ein arithmetisches Mittel errechnet; die Gesamtnote wird auf dem Zeugnis ausgewiesen. Die mündliche Prüfung hat – trotz ihres im Vergleich zu 720 Minuten schriftlicher Prüfung nur sehr geringen zeitlichen Anteils an dem Gesamtprüfungsprozess – ein Gewicht von 50 % auf die Gesamtnote. Konsequenz: Schlechte mündliche Prüfung, schlechte Gesamtnote – auch wenn es schriftlich gut lief. Die Note für die schriftliche Prüfung wird separat ausgewiesen – ist also nur eine von 7. Da es keine Gesamtnote gibt, kann eine Schwäche in der mündlichen nicht den Gesamteindruck negativ beeinflussen.
Anrechnung der schriftlichen AdA-Prüfung Ja Nein

 

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